Mencey Bencomo Durimán

//Mencey Bencomo Durimán

Mencey Bencomo Durimán

Der alte Mencey blickte von seinem erhabenen Sitz unter der wuchtigen Kiefer auf das große Meer, das sich vor seinen Augen auftat. Eine kühle Brise, die vom Meer herauf zog, erfrischte ihn und ließ ihn, da er im Schatten saß, frösteln. Er konnte sein Alter nicht mehr verleugnen, viele Jahre ist es her, dass man ihn zum Mencey über das Volk der Guanchen von Taoro und der Insel Tehinerfe ernannte. Wenn er die Kerben in seinem Speer zählte waren es vier Mal mehr als er Finger an den Händen hatte. Doch noch heute konnte er den Treueschwur der anderen Menceys und des Archimencey, „Zahaniat Guayohec“, ich bin dein Vasall, hören, als wäre es gestern gewesen.

Nun soll heute das Beñesmen stattfinden, die Frauen schmückten bereits den Tagoror für das Erntedankfest, das sich jedes Jahr mit Spielen und Kämpfen und einem Festmahl wiederholte. Es soll das letzte Mal sein, das er dem Fest vorstand. Es wurde Zeit, dass sein Sohn nun der König von Taoro wurde. Durimán war ein stattlicher junger Mann und hatte einen großen Rückhalt bei den anderen Menceys und vor allem im Volk, sie liebten ihn. Er war ein guter Zuhörer und ein ruhiger überlegener Charakter, dem immer der Frieden mehr bedeutete als Recht zu haben. Er stand für das Recht des Volkes ein und wusste, dass es nicht immer leicht war oberster König über die Insel Tehinerfe zu sein. Er hatte verinnerlicht, dass die Einheit der Guanchen die Uneinnehmbarkeit der geliebten Heimat Tehinerfe bedeutete. Die erste Aufgabe eines Mencey Bencomo war es diese Einheit zu erhalten und den Zusammenhalt der neun Stämme zu fördern.

Die 9 Menceys (Guanchenkönige)

Sein Sohn Durimán gesellte sich zu ihm und der Alte legte seinen Arm um ihn.

„Mein Sohn, Du bist ein wahrer Prinz von Taoro, ehrlich, strebsam und treu. Ich habe dich Tapferkeit, Gerechtigkeit und Klugheit gelehrt, soweit es mir möglich war und du hast deinen Teil dazu getan. Aus dir ist ein edler Krieger und würdiger Nachfolger der Könige von Taoro geworden. Dein Leben ist einfach, dein Ansehen auf der Insel groß, so werde ich dich heute zum neuen König von Taoro, mächtigster Herrscher über Tehinerfe ausrufen und es dem Volk und den Edlen so bekannt machen.“

Nach den Spielen erschallte der dumpfe Klang des Fatuto. Der alte Mencey Bencomo Quebehi bittet mit seiner rechten Hand, die er weich durch die Luft führte, um Ruhe.

„Heute nimmt mein Sohn als neuer Mencey Bencomo über Taoro und Tehinerfe das Zepter aus meiner Hand. Von nun an ist er euer Herrscher, folgt ihm nach und tragt mit ihm seine schwere Verantwortung, so dass es euch dem Volk der Guanchen weiterhin wohl ergehe.“

Mencey Bencomo Durimán nahm das Zepter aus der Hand seines Vaters und sprach die Krönungsformel:

„Acorán nun habec sahagua reste guagnat, sahur banot gerage sote.“

Ich schwöre bei Gott und den Gebeinen meines Ahnen, seinem Beispiel zu folgen und meine Untertanen glücklich zu machen!

Die anderen Menceys schworen,

„Agonec Acorán in at Zahana namet“

Ich schwöre o Gott den Vasallen auf den Knochen, der die Elle des ersten Menceys Tehinerfe war und als Zepter galt.

Das Volk warf jubelnd die Arme in die Luft und der alte Mencey verbeugte sich tief vor seinem Sohn dem König der Guanchen und Tehinerfes.

Die Jahre zogen ins Land und immer wieder gab es Berichte von Schiffen, die im Süden anlegten und fremde Menschen auf das Land der Guanchen brachten. Bisher waren es wenige, die kamen, aber jetzt lag dem Mencey ein Bericht eines Boten aus Anaga vor, den ihm sein langjähriger Freund der Mencey Beneharo von Anaga schickte. Demnach sollen sich fünfzehn große Schiffe der Küste genähert haben und viele Krieger in glänzenden Rüstungen sind deren Bäuche entstiegen. Sie haben am südlichen Beginn des Anagagebirges Steinwälle vor sich aufgeworfen und wohnten unter Tüchern. Auch sollen sie Waffen mit sich führen, die Feuer spucken. Der Bote erzählte, dass aus einem langen Rohr, von einem der fremden Krieger, Feuer kam und dann eine wilde Ziege, fünfzig Meter entfernt, tot umfiel. Die fremden Krieger hatten auch ungefähr 100 große Tiere dabei, auf denen sie sich sitzend, wie der Wind so schnell, fortbewegten.

Mencey Bencomo Durimán hörte sich alles ruhig an und wurde nachdenklich. Noch nachdenklicher stimmte ihn die Tatsache, dass ein Unterhändler seinem Freund Beneharo ein Bündnis und Freundschaft vorschlug, welches dieser natürlich geschickt ablehnte, indem er sich zur Sache nicht äußerte. Der Unterhändler war ein Guanche aus dem Volk der Südstämme, der vor Jahren von der Insel entführt wurde und nun als Freund der fremden Krieger für diese spricht.

Unerschrocken und klar gab er laute Befehle und innerhalb kurzer Zeit waren die Edlen und Truppenführer am Tagoror zusammen gekommen. Mencey Bencomo gab den Bericht weiter und erläuterte seine Pläne. Er schickte Boten zu den anderen Menceys und wollte mit einer Truppe von 400 Mann aufbrechen um im Eilmarsch das Gebirge zu durchqueren und zu erkunden, was die fremden Krieger für Pläne hatten.

Am nächsten Morgen stießen sie auf der Höhe von Aguere auf eine Vorhut der Fremden. Der fremde Anführer saß auf einem dieser Furcht einflössenden großen Tiere und sprach durch seinen Unterhändler. Er verlangte ohne Umschweife, freundschaftliche Kontakte, die Unterwerfung der Guanchen unter die spanischen Könige und die Annahme des christlichen Glaubens. Der Mencey antwortete stolz, dass er das mit dem Glauben prüfen wolle, weil er den Gott der Fremden nicht kenne, den freundschaftlichen Beziehungen stehe nichts im Wege, wenn die Spanier so schnell wie möglich wieder die Insel der Guanchen verlassen würden, aber eine Unterwerfung unter fremde Könige lehnte er strikt ab. Danach zog er sich mit den Edlen in den undurchdringlichen Dschungel zurück. So endete das erste Treffen von Alonso Fernández de Lugo und dem Mencey Bencomo Durimán von Taoro.

Lange noch saß er an diesem Abend mit den Edlen und führenden Kriegern im Tagoror und sprach dann schließlich mit einer festen, durchdringenden und entschlossenen Stimme zu seinen Vertrauten:

„Edle und Krieger, wie unser Urahn Tehinerfe uns verhieß, müssen wir die Einheit unserer Völker wahren, um gegen den von außen kommenden Feind bestehen zu können. Auf die Menceys von Tegueste Zebensui, Anaga Beneharo und Tacoronte Acaymo können wir uns blind verlassen, anders sieht es bei Pelicar von Icod aus, er widersprach mir beim letzten Beñesmen. Wir brauchen aber die kräftigen Männer von Icod, dann haben wir den Norden der Insel in der Hand. Añaterve von Güimar dagegen können wir nicht mehr trauen, der betet den neuen Gott an und wird abwarten was geschieht und wird dann zum Gewinner stehen. Die Bauern und Fischer vom Rest des Südens von Adeje, Abona und Daute werden uns keine Hilfe sein, sie sind keine Krieger.

Diese riesigen Tiere auf denen der Gegner sich fortbewegt sind aus Fleisch und Blut und Fleisch und Blut kann man töten, egal wie groß etwas ist. Diese Tiere brauchen viel Platz um sich bewegen zu können, sie sind nur schnell, wenn sie in freiem Gelände sind. Wir werden diese Tiere erst angreifen, wenn sie in unwegsamen Gelände sind und sich nicht drehen und schnell bewegen können, dann stoßen wir ihnen unsere Speere in die Körper und schleudern Steine auf ihre großen Köpfe und ihr Fleisch wird sicher sterben.

Mir wurde berichtet, dass die Männer die die Feuer speienden Rohre bedienen, die auf große Entfernung töten, diese auf Stützen auflegen müssen. Wir geben ihnen dazu keine Möglichkeit, wir werden sie nur angreifen wenn sie ihre Feuerrohre nicht stützen können. Was gefährlich ist, sind diese Waffen, die mit großer Geschwindigkeit kleine Speere schleudern, doch nach jedem kleinen Speer braucht der Krieger lange Zeit um die Schleuder wieder zu richten um einen weiteren kleinen Speer zu schleudern. In dieser Zeit wird er angegriffen werden.“

Die Getreuen von Taoro zogen sich zurück, der Mencey nahm noch Platz auf der Steinbank vor seiner Königshöhle und schaute über sein schönes Arautápala. Er hatte den Rat der Menceys einberufen und der wird am nächsten Mittag stattfinden, wenn die Menceys vom Süden eintreffen. Von diesem Treffen erwartete er nicht viel, die Fronten waren schon jetzt gezeichnet, aber er musste sich gemäß seinem Amt um die Einheit bemühen. So war das Treffen der Menceys kein Erfolg für Bencomo, Añaterve aus dem Süden kam erst gar nicht, er wäre krank ließ er ausrichten und Pelicar stellte sich gegen Bencomo und seine Pläne und wollte nicht an seiner Seite kämpfen.

Während die Spanier ihre Festung bei Santa Cruz, so nannten sie diese Stelle jetzt, weil de Lugo bei seiner Ankunft ein Kreuz in den Sand rammte, ausbauten und sich mit dem Mencey Añaterve verbündeten, konnten sie nun aus dem Süden die so dringend benötigten Lebensmittel beziehen. Die frühere Verschanzung hatte jetzt Einlässe, die durch schwere Teaholztore geschützt wurden und verfügte über einen Turm auf dem eine große Kanone stand. So waren die Spanier gerüstet um einen Sturm auf das Lager, oder eine Belagerung auszuhalten.

Aber auch Mencey Bencomo Durimán war nicht untätig, er hatte Früchte, Getreide und andere Lebensmittel in die uneinnehmbaren Höhlen des Tigaiga bringen lassen. Den engen Pfad nach Arautápala ließ er präparieren, indem er große Bäume, die in säumten, anschneiden ließ, so dass diese ohne Probleme von einer Person zu Sturz gebracht werden konnten und den Zugang nach Taoro versperren sollten. Auch seine Krieger waren fleißig und übten mit ihren Speeren und Messern aus Obsidian, verfeinerten die Steinwurftechnik und steigerten ihre Kondition mit laufen und klettern.

Ein Jahr dauerte diese lauernde Situation jetzt schon an. Der Mencey wusste, dass ein offener Angriff nicht in Frage kam und musste sich so in Geduld üben, bis die Spanier in seine Richtung marschierten.

Dann berichteten die Späher endlich, dass sich der Tross der Angreifer auf der Höhe von Aguere befindet und in Richtung Arautápala marschiert. Sofort gab der Mencey seine Befehle und wies die Melder an, den Hirten Bescheid zu geben, die große Ziegenherde in ein tief laufendes Tal zu bringen und sich sofort zurückzuziehen, wenn die Spanier in Sichtweite kommen würden. Mencey Acaymo erhielt den Befehl mit 600 Kriegern im Eilmarsch über die Berge in den Rücken des Feindes zu marschieren. Mencey Tinguaro lag mit seiner Abteilung hinter Brombeerhecken und Lavafelsen in Deckung. Mencey Bencomo Durimán befehligte die Hauptmacht, die nachdem Tinguaro Tod und Vernichtung über die Spanier gebracht hat, den Spaniern den Weg abschneiden sollte, so dass sie im Barranco gefangen waren, weder nach oben noch nach unten und über die Seiten schon gar nicht ausweichen konnten. Aber es war noch nicht so weit. Die Guanchen übten sich in Geduld und warteten auf den Befehl ihrer Menceys.

Alonso de Lugo fühlte sich nicht mehr so sicher wie am Anfang, er musste einsehen, dass Bencomo doch ein besserer Stratege war wie er dachte. Die Vorhut war jetzt schon beim Barranco mit dem Wasserfall angekommen und noch immer hatten sie keine Guanchen zu Gesicht bekommen. Doch dann sah er in einer Schlucht eine große Ziegenherde und ein paar flüchtende Ziegenhirten. Die Herde war wohl der Lohn des Tages, er ließ sie zusammentreiben und ließ zum Rückzug blasen. Der Rückzug die Schlucht hinauf ging los und es wurde immer enger, die Seitenwände immer steiler. Doch bald war es vorbei mit dem wohlgeordneten Rückzug. Durch die Enge der Schlucht und die vielen Tiere gerieten die Truppen durcheinander. Dies schien die spanischen Söldner nicht zu stören, sie freuten sich über die fette Beute und was daraus im Feldlager alles zu essen gemacht werden konnte. Freudig schnalzten sie mit ihren Zungen und gaben den Ziegen und Lämmern in ihrer guten Laune Kosenamen.

Ein plötzliches Geräusch von knackendem Holz und aneinander stoßenden Steinen, laute Pfiffe drangen dazwischen und die Herde stob auseinander, rannten die Spanier um und diese wurden unter Lawinen von Steinen und Felsblöcken und Baumstämmen begraben, die Tinguaro mit seinen Kriegern vom Rand des Barancos auslöste. Die Speere durchbohrten die Rüstungen der Spanier und hielten eine grausame Ernte. Sie saßen in der Falle und es erwies sich, dass alles so kam, wie Mencey Bencomo Durimán und sein alter Freund Tinguaro es zusammen geplant und ausgeführt haben, das spanische Heer war vernichtet worden, mit einfachsten Mitteln, aber riesigen Mut und Heimatliebe.

Patria guanche o muerte

Heimat der Guanchen oder der Tod.

Die Eroberung
2018-04-12T22:43:31+00:00
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